„Neue Realität“

Heute hat Londons Polizeichefin Cressida Dick gesagt:

„Wir werden uns ändern und an das gewöhnen, was anscheinend für uns zu einer neuen Realität geworden ist.“

Mir wurde heute klar, was mich an dieser und ähnlichen Aussagen so sehr stört.Zunächst einmal spricht sie das Offensichtliche aus: „…anscheinend für uns zu einer neuen Realität geworden…“ Warum sagt sie das? Warum kommen solche Statements immer wieder nach Terrorangriffen an die Oberfläche. Menschen sind tot, weil sie von Terroristen ermordet wurden, auch ohne daß das ausgesprochen wird ist es Realität und die Menschen erkennen es als solche. Es geht also um etwas anderes, als um eine einfach Mitteilung, was passiert ist.

„Wir werden uns ändern…“ – Das kann etwas positives bedeuten, wenn es darum geht den Terror zu bekämpfen und aus unseren Ländern zu vertreiben. Soweit, so gut beziehungsweise seltsam.

Und dann: „…wir werden uns daran gewöhnen…“. Wir werden uns also daran gewöhnen, daß unschuldige Menschen und auch Kinder mit aufgeschnittener Kehle auf der Straße sterben, in Stücke gesprengt werden, in Massen mit Fahrzeugen überfahren werden oder auf Festivals erschossen werden? Und zwar mitten in den Großstädten der westlichen Zivilisation?

Dahin folge ich Frau Dick und den Anderen, die solche „sich daran gewöhnen“ Aussagen ablassen nicht. Das halte ich für hirnverbrannten, unmenschlichen, wiederwärtigen und auch wahnsinnigen, sogar gefährlichen Bullshit.

Meiner Meinung nach dürfen wir uns daran niemals gewöhnen. Terror ist eine Erscheinung, die darauf Abzielt, die Lebensweise der Menschen zu verändern und zwar durch Angst und Zwang. Daran DARF man sich nicht gewöhnen, sonst wird die Grausamkeit und die Schwere solcher Taten zur Selbstverständlichkeit, zum Alltag. Und dann werden wir zu einer Gesellschaft, die sogar wegsieht, wenn die eigenen Leute neben uns sterbend auf der Straße liegen. Das können wir nicht wollen, oder alles, wofür unsere Werte von Mitmenschlichkeit, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Gemeinsinn usw. stehen wäre wertlos.

Insofern halte ich es für eine Verhöhnung der Opfer und der Familien der Opfer solcher Taten, wenn jemand sagt „wir müssen uns daran gewöhnen“. Das geht gar nicht.

Wenn sie ausdrücken wollte, daß nun nach neuen Wegen und Mitteln gesucht wird den Terror zu bekämpfen und auszurotten, hätte ich ein „wir werden uns vorbereiten, wir werden kämpfen, wir werden siegen“ oder ähnliches erwartet. Ein „wir gewöhnen uns daran“ ist eine in der Sache passive Aussage und Hilft den Menschen sich nur noch hilfloser zu fühlen als vorher schon. Und das produziert Zündstoff aus Richtungen, die sich Frau Dick und die Anderen wahrscheinlich gar nicht vorstellen können oder wollen.

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